Samstag, 23. Juli 2016

Mantra für mehr Menschlichkeit

Orlando, Nizza, Türkei, Würzburg, München… Eine Schreckensmeldung jagt in den letzten Tagen und Wochen die nächste. Was all diese Nachrichten mit uns machen, was wir dem entgegen setzen können und warum es vielleicht gerade in diesen Tagen die richtige Zeit für ein Mantra der Menschlichkeit ist – diesem Thema widme ich meinen aktuellen Blogbeitrag.

Immer häufiger ertappe ich mich in diesen Tagen dabei, wie ich beim Einschalten des Radios am Morgen einen Moment zögere: Welche Horrormeldung erwartet mich wohl heute? Anschläge, Schießereien, politische Unruhen, Terror…  Ich nehme wahr, dass all diese Meldungen in mir arbeiten. Hilflosigkeit macht sich breit, begleitet von innerer Unruhe und natürlich auch Angst: Was kommt als nächstes? Wie geht das in Zukunft in Sachen Sicherheit und Frieden weiter? Welche Konsequenzen kommen auf uns zu – und auf nachfolgende Generationen? Und zack – hänge ich mit meinen Gedanken in der Zukunft. Eine doch recht unsichere, wackelige Zukunft, die sich ganz automatisch vor meinem inneren Auge auftürmt. In tristen Farben ausgemalt, nicht zuletzt unterstützt durch unzählige Infos, Details und auch Spekulationen, die ich überall erhalte - aus den Medien, sozialen Netzwerken aber auch aus Gesprächen. Doch was tun?

In Kontakt mit sich selbst bleiben

Tatsache ist: Ich kann nicht ändern, was passiert. Aber ich kann beeinflussen, wie ich damit umgehe. Dazu gehört aus meiner Sicht zunächst einmal wirklich wahrzunehmen, was die weltweiten Ereignisse mit mir machen. Welche Gedanken beschäftigen mich? Wie fühle ich mich dabei? Und wie reagiert auch mein Körper auf all das? Vielleicht stelle ich beispielsweise beim Nachrichten schauen bzw. hören fest, dass mein Herz schneller schlägt, ich einen Kloß im Hals bekomme und „schwer zu Schlucken habe“ oder innerlich verkrampft bin.

Schon allein für eine Minute kurz innehalten und sich selbst auf all diesen Ebenen Klarheit zu verschaffen, hilft aus meiner Sicht enorm weiter. Denn jetzt kann ich entscheiden, wie ich mit damit umgehen möchte. Ich für mich persönlich habe beispielsweise seit einiger Zeit beschlossen, meinen Nachrichtenkonsum im Gegensatz zu früher enorm zu reduzieren.  Was nicht heißt, dass ich realitätsfern lebe! Aber mir reicht es, wenn ich tragische Ereignisse aus dem Radio erfahre oder einen gut recherchierten Hintergrundbericht im Internet lese - der Fernseher bleibt bei mir aus. Denn was mir nicht gut tut, sind Bilder von blutigen Schauplätzen oder sensationshungrige Live-Schalten, die sich häufig im Kreis drehen oder vorschnell Spekulationen verbreiten.

Eigene Handlungshilfen entwickeln


Diese Erkenntnis hilft mir weiter und ich möchte an dieser Stelle nochmals betonen, dass dies kein allgemeiner „Ratschlag“ sein soll, da wirklich jeder Mensch andere Bedürfnisse hat. Anderen mögen Detailberichte und Live-Bilder die Sicherheit geben, informiert zu sein. Wichtig ist meiner Meinung lediglich herauszufinden, was die Nachrichten in uns auslösen und wie wir handeln möchten.

So kann es sein, dass jemand ausführliche Sondersendungen vorzieht, ein anderer sich dazu lieber mit Freunden oder der Familie austauscht oder ein Dritter komplett „abschaltet“ und sich mit ganz anderen Dingen beschäftigt. Gut zu wissen, dass es ganz individuelle Handlungshilfen und daher kein „richtig“ und kein „falsch“ gibt.

Den Fokus verlagern


Ein weiterer Aspekt, den ich in diesen Zeiten hilfreich finde: Immer wieder auch mal den Fokus zu verlagern. Manche Menschen mögen sagen, ich sei eine hoffnungslose Optimistin ;-) Und dennoch gibt mir ein Perspektivenwechsel immer wieder neue Kraft. Denn bei allem, was gerade in der Welt passiert, lohnt es sich auch darauf zu schauen, was diese schwierigen Zeiten auch Gutes haben. Das ist aus meiner Sicht in jedem Fall die Menschlichkeit - die große Hilfsbereitschaft der Menschen untereinander. Darüber haben auch dankenswerterweise die Medien immer häufiger berichtet.

So waren während der Ereignisse in Paris, Brüssel, Nizza oder auch aktuell in München unter den Hashtags #Opendoors, #OffeneTueren sowie #PorteOuverte dutzende Hilfsangebote zu finden. Anwohner, aber auch Hotels, die Bahn und öffentliche Einrichtungen (z.B. Moscheen), boten anderen Menschen Unterschlupf. Damit leisteten auch soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter ein großen Beitrag, die Menschen untereinander zu vernetzen.

Auch angesichts des lahmgelegten öffentlichen Verkehrs unterstützen Taxifahrer aber andere Autofahrer mit kostenlosen Mitfahrangeboten von A nach B.

Das sind nur zwei von zahllosen Beispielen, die zeigen, dass selbst und gerade in Extremsituationen viele Menschen wieder viel achtsamer und freundlicher miteinander umgehen. Das sind die Momente, in denen ich beim Nachrichten hören bzw. lesen Gänsehaut kriege und ich wieder neuen Mut schöpfe. Ich würde mir wünschen, dass solche Aktionen eine Welle der Wärme und des Mitgefühls in uns allen hinterlassen. Und dass diese Welle zumindest zeitweise die Angst und Unsicherheit in diesen Tagen etwas "wegspülen" kann.

Mantra für (noch) mehr Menschlichkeit

Zum Abschluss dieses Blogbeitrags möchte ich euch noch eine Art Segens-Mantra mit auf den Weg geben: "Lokah Samastah Sukhino Bhavantu". Wörtlich übersetzt heißt das so viel wie: "Mögen alle Wesen überall auf der Welt glücklich sein." Das wünsche ich uns allen trotz allem und gerade jetzt!

Vielleicht hilft auch eine Runde singen (siehe Video) gerade dann, wenn sich neue Horrorszenarien vor dem inneren Auge auftun und die Angst sich breitmachen möchte.



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